Kindschafts-, Sorge- und Umgangsrecht

1. Elterliche Sorge bei Scheidung

Nach der Reform des Kindschaftsrechts hat die Scheidung der Eltern nicht mehr zur Folge, dass die elterliche Sorge gerichtlich geregelt werden muss. Im Falle der Scheidung wird über das Sorgerecht nur dann entschieden, wenn ein Antrag gestellt wird oder wenn wegen Gefahr für das Kindeswohl eine Sorgeregelung erforderlich ist. Ansonsten bleibt es bei der gemeinschaftlichen elterlichen Sorge. 
Für den Fall der gemeinsamen Sorge nach Trennung oder Scheidung erhält der betreuende Elternteil eine Alleinentscheidungsbefugnis für alle Angelegenheiten des täglichen Lebens. Bei Angelegenheiten, die für das Kind von erheblicher Bedeutung sind, besitzen beide Elternteile eine gemeinsame Zuständigkeit.


2. Umgangsrecht

Die gesetzliche Neuregelung macht deutlich, dass Umgang mit dem Kind keine bloße Befugnis eines Elternteils ist; vielmehr wird klargestellt, dass Umgang ein Recht des Kindes und eine Pflicht der Eltern ist. 
Auch Großeltern, Geschwister, Stiefelternteile und frühere Pflegeeltern haben ein Umgangsrecht, wenn dies dem Wohl des Kindes dient.

In erster Linie soll versucht werden, zwischen den Ehepartnern eine einvernehmliche Lösung zu erreichen. Dies erspart allen Seiten – insbesondere aber den Kindern – eine Menge Ärger und Stress.
Es kann dabei auch sinnvoll sein, die Hilfe Dritter, sei es des Jugendamtes oder einer Familienberatungsstelle in Anspruch zu nehmen.

Wie das Umgangsrecht im Einzelfall ausgestaltet ist, hängt von den jeweiligen Lebensumständen ab, z.B. Alter des Kindes, Entfernung etc.
Als Richtlinie kann jedoch von folgenden Regeln ausgegangen werden:

  • bei Kleinstkindern ein mehrstündiger Umgang einmal in der Woche
  • bei älteren Kindern wird häufig ein vierzehntägiges Besuchsrecht mit Übernachtung vereinbart
  • Ferienregelung: Im Idealfall hälftige Aufteilung; hier über sollte jedoch frühzeitig gesprochen werden, damit der berufstätige Elternteil rechtzeitig seinen Urlaub beantragen kann

Das Gesetz hat für die Eltern die Möglichkeit eingeräumt, bei auftretenden Problemen nach einer gerichtlichen Entscheidung über das Umgangsrecht ein gerichtliches Vermittlungsverfahren in Anspruch zu nehmen. Im Wege dieses Verfahren soll eine weitere Konfliktsteigerung, die eine zwangsweise Durchsetzung des Umgangsrechts im Wege der Vollstreckung mit sich bringt, verhindert werden. 

3. Neue Verfahren

Einige Amtsgerichte haben spezielle Verfahren für Verfahren, die den Aufenthalt des Kindes oder die Herausgabe des Kindes betreffen entwickelt. Leitfäden liegen bisher für folgende Amtsgerichte vor: